Meinung: Facebook - Ein Hoch auf Whistleblower

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Seit mehreren Wochen rumort es wieder beim immer noch größten sozialen Netzwerk der Welt. Eine Artikel-Serie im ‘Wall Street Journal’ zeigte haufenweise Missstände bei Facebook auf.

So gelten die strikten Veröffentlichungs-Regeln für die Besitzer von 5,8 Millionen sogenannter VIP-Accounts nur bedingt. Der Fußballstar Neymar konnte zum Beispiel Nacktfotos einer Frau veröffentlichen, die ihn beschuldigt hatte, sie vergewaltigt zu haben. Die Moderatoren durften den Post nicht löschen - erst eine übergeordnete Stelle ordnete dies an. Inzwischen hatten aber rund 56 Millionen Nutzende den Post gesehen.

Depressionen dank sozialer Medien

Am meisten Aufregung verursachte allerdings ein Artikel, in dem es um schädlichen Einfluss von Instagram auf die psychische Gesundheit von Jugendlichen ging. In einer internen Studie kam Facebook zu dem Schluss, bei zahlreichen Teenagern - vor allem Mädchen - verstärke Instagram die Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper. Und das sorge für Essstörungen und Depressionen. Diese Erkenntnisse habe das Facebook-Management bewusst zurückgehalten.

DW-Redakteur Martin Muno

Facebook tat das, was es auch bei anderen Anschuldigungen tut: das Unternehmen wiegelte ab - legte aber gleichzeitig seine Pläne für eine Instagram-Kids-Version für Zehn- bis Zwölfjährige auf Eis.

Seit dem Wochenende ist klar, wer hinter den Enthüllungen steckt: Frances Haugen, eine Datenwissenschaftlerin, die von 2019 bis 2021 für Facebook arbeitete. Sie trat im US-Fernsehen auf und erhob heftige Vorwürfe gegen den ihren ehemaligen Arbeitgeber. Ihre Kernaussage: Facebook sei in dem Interessenskonflikten “zwischen dem was für die Öffentlichkeit gut ist und was für Facebook gut ist” gefangen. Der Konzern habe sich dabei “immer wieder dafür entschieden, seine eigenen Interessen zu optimieren”. Die Anschuldigungen belegte sie mit internen Dokumenten. Ihr Fazit: “Diese Version von Facebook zerreißt unsere Gesellschaft und verursacht Gewalt in der Welt.”

Ein mutiger Schritt

Haugen soll am Dienstag vor dem US-Kongress aussagen. Sie beantragte nun offiziell Schutz als Whistleblowerin, um sich vor einer Klage ihres ehemaligen Arbeitgebers zu schützen.

Wie mutig ihr Schritt ist, zeigen die Parallelen mit anderen Whistleblowern: Edward Snowden, der zutiefst verstörende Einblicke in das Ausmaß der globalen Überwachungspraktiken von Geheimdiensten und damit die NSA-Affäre auslöste, lebt seit Jahren im russischen Exil. Eine Familie, die ihn 2013 vor den US-Behörden versteckte, erhielt vor wenigen Tagen Asyl in Kanada.

In unserem ureigensten Interesse

Ebenfalls vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass der US-Regierung unter Präsident Donald Trump erwogen haben soll, den Gründer der Whistleblower-Plattform Wikileaks, Julian Assange, ermorden zu lassen. Assange sitzt seit mehr als zwei Jahren in britischer Haft. Ihm droht die Auslieferung in die USA.

Nicht nur die Geschichte dieser Menschen zeigt, dass Whistleblower keineswegs egomanische Verräter oder Nestbeschmutzer sind. Auch die Enthüllungen der Pandora Papers wäre ohne sie nicht möglich gewesen. Wenn - und nach allem Anschein ist dies der Fall - die Anschuldigungen Haugens eine sachliche Grundlage haben, sollte sie unbedingt geschützt werden. Auch in unserem ureigensten Interesse.

Was ist ein Whistleblower?

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1 Edward Snowden gilt als einer der bekanntesten Whistleblower. Foto: dpa/Glenn Greenwald

Über sie werden Filme gedreht und Bücher geschrieben: Sogenannte Whistleblower riskieren ihren Job und ihren Ruf und genießen bei vielen dennoch ein hohes Ansehen. Doch was genau macht ein Whistleblower? Eine Begriffserklärung.

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Edward Snowden, David Kelly oder Daniel Ellsberg: Whistleblower wie sie gelten bei vielen als Helden. Aber was genau ist eigentlich ein Whistleblower?

Der Begriff „Whistleblower“ ist ein Anglizismus und bedeutet sinngemäß „etwas aufdecken“ oder, um beim Wortstamm zu bleiben, „jemanden zu verpfeifen“. Im Deutschen werden derartige Personen auch als Hinweisgeber oder Aufdecker bezeichnet.

Ein Whistleblower ist demnach eine Person, die brisante Informationen aus einem geschützten Zusammenhang veröffentlicht. So werden beispielsweise Hinweise auf Missstände in Unternehmen, Behörden oder in der Politik gegeben. Da der Whistleblower ebenfalls erst einmal an diese Informationen gelangen muss, ist es üblich, dass er in diesem Unternehmen Mitarbeiter oder Kunde ist.

Typische Fälle, über die Whistleblower berichten, stammen üblicherweise aus Bereichen wie Korruption, Bestechung, Menschenrechtsverletzungen, Straftaten oder dem Missbrauch von Daten. Hinweisgeber wollen demnach über ein unethisches und rechtswidriges Verhalten berichten und Missstände aufdecken.

Informiert ein Whistleblower die Medien oder die Öffentlichkeit über derartige Missstände, riskiert er dabei seine Karriere und seinen Ruf. Aus diesem Grund genießen Whistleblower in Teilen der Öffentlichkeit ein recht hohes Ansehen. Ihre Taten werden mit Zivilcourage in Verbindung gebracht. Wegen Geheimnisverrats werden Whistleblower allerdings ebenfalls häufig vor das Gericht gebracht.

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Um sie dennoch zu unterstützen wird seit 1999 alle zwei Jahre ein internationaler Preis für Whistleblower in Deutschland vergeben. Der wohl bekannteste Preisträger ist Edward Snowden, ein ehemaliger Mitarbeiter der US-amerikanischen Geheimdienste. Er deckte auf, wie und in welchem Umfang die Vereinigten Staaten und das Vereinigte Königreich die Telekommunikation und insbesondere das Internet überwachen.

Facebook und Ex-Mitarbeiterin Frances Haugen: Whistleblowing, das Musical

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Whistleblower-Skandal um Facebook: Das sagt Zuckerberg

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Stellt Facebook Profite über das Wohl seiner Nutzer? Die schweren Vorwürfe einer ehemaligen Mitarbeiterin bringen den Tech-Riesen in Bredouille. Jetzt hat sich Facebook-Chef Mark Zuckerberg das erste Mal ausführlich zu den Vorwürfen geäußert.

„Das ist einfach nicht wahr“, schrieb Zuckerberg in einer am Dienstag veröffentlichten E-Mail an die Mitarbeiter. Als Beispiel nannte er eine Änderung, mit der Facebook vor einigen Jahren anfing, den Nutzern mehr Beiträge von Freunden und Familienmitgliedern statt viraler Videos zu zeigen.

Mark Zuckerberg hält an Instagram-Plan für Zehn- bis Zwölfjährige fest

Der Facebook-Gründer verteidigte den Plan, eine Instagram-Version für Zehn- bis Zwölfjährige zu entwickeln. „Die Realität ist, dass junge Menschen Technologie nutzen“, schrieb er. Statt dies zu ignorieren, sollten Tech-Unternehmen Dienste entwickeln, die ihre Bedürfnisse erfüllen und zugleich für eine sichere Umgebung sorgen, argumentierte er.

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Die ehemalige Facebook-Managerin Frances Haugen, die als Whistleblowerin auftritt, hatte wenige Stunden zuvor bei einer Anhörung im US-Senat ausgesagt. Dort rief sie die Politik unter anderem auf, das Online-Netzwerk zu mehr Transparenz zu zwingen. „Facebook formt unsere Wahrnehmung der Welt durch die Auswahl der Informationen, die wir sehen.“ Dabei wisse bisher aber nur der Internetkonzern selbst, wie er den Newsfeed der Nutzer personalisiere.

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Die 37-Jährige war rund zwei Jahre für Facebook und zuvor bei Google sowie der Fotoplattform Pinterest tätig gewesen. Bei dem Online-Netzwerk arbeitete sie unter anderem an der Abwehr von Versuchen, die öffentliche Meinung vor Wahlen zu manipulieren. Haugen war eine zentrale Quelle für eine Artikelserie im „Wall Street Journal“, die in den vergangenen Wochen Facebook immer stärker unter Druck brachte. Für besondere Empörung sorgte in den USA der Vorwurf, Facebook habe aus internen Studien gewusst, dass Instagram der psychischen Gesundheit einiger Teenager schade – aber keine konsequenten Maßnahmen dagegen ergriffen.

Zuckerberg kritisierte, die Studienergebnisse seien aus dem Kontext gerissen worden. Dabei sei ein „falsches Narrativ konstruiert worden, dass es uns egal ist“. (dpa/ncd)

Neuer Facebook-Skandal erreicht Washington - Whistleblower will auspacken

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Washington Eine Serie von Skandalen erschüttert Facebook. Was wusste der Internetkonzern über die Vorbereitungen zur Erstürmung des US-Kapitols? Und hat Facebook eine Studie über die gefährlichen Effekte von Instagram für Teenager bewusst zurückgehalten?

Ein neuer Facebook-Skandal erreicht Washington

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